Nein- nur für Optimisten




Da bin ich noch nicht mal 32 und sehe meinem Altern mit Schrecken entgegen. 60 Jahre gebe ich mir- höchstens, bis ich mich morgens nicht mehr allein aus dem Bett hieven kann.
Als eingefleischter Bauchschläfer- wenn gerade beziehungslos und somit die Löffelstellung ausfällt- läuft fast jeder Morgen gleich ab: Ich wache auf. Bewegungslos und in feuriger Erwartung quäle ich mich sodann langsam in die schmerzarme Seitenposition, und nach einer Weile hört dann auch der natürliche Wecker auf zu ticken, obwohl, man sollte ja nicht undankbar sein, da spart man einige Radioschinken, die sowieso jeden Morgen gleich aktuell sind.
Letztens wurde ich von dem Gedanken beherrscht, mich von meinem Rücken eben nicht beherrschen zu lassen, also nahm ich wild entschlossen all meinen Mut zusammen und brachte die Rückenpein mit einem kurzen Ruck hinter mich. Prompt hatte ich den Eindruck, die Nacht sei zurückgekehrt, Orion sah noch nie so klar aus.
Nein, dachte ich, so kann es nicht weiter gehen, und ich erinnerte mich in meiner Not an meine Wohnheimzeiten. Weil die dortige Schaumstoffmatratze so durchgelegen war, diente das Metallgestell des Betts bequem als Rückengegenstütze, sehr praktisch, und solide.
Da kam mir die rettende Idee, eine Stange muss her. Ich wollte Metall, man riet mir zu Holz. Die sollte das Bett ergänzen, so dass ich meinen Bauch darauf platzieren konnte, doch irgendwie kam es zu zahlreichen Missverständnissen bezüglich der unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten für das gute Stück. Naja, beschloss ich, legen wir die Stange vorerst auf Eis. Den Rücken am besten auch.
So kam ich einen Tag später zu Real. Es war Samstag, und alle Berufstätigen, Familien und Schläfer versammeln sich dort zu einem "ich versperr dir den Weg bevor du vor mir an die Kasse kommst" Stelldichein. Verwirrt nahm ich zur Kenntnis, dass zum einen der Laden in Handwerker-Schutt und -Staub lag, zum andern das Chaos in den Regalen, die nicht von fremdartigen Gestalten überflutet waren, nicht zu übertreffen war. Die Angestellten zu fragen wo ein Produkt zu finden sein könnte schien sich zu erübrigen, da sich das ohnehin alle paar Minuten zu ändern schien. So kann man auch GEZ-Gebühren sparen, Musik, die sorgfältig dazu ausgesucht war um den Käufer zu inspirieren, seinem Titel nachzugehen, inclusive.
Nein, nicht mit mir, und so holte ich mir an der Information, wo mir mitgeteilt wurde, dass sich diese Aktion noch Monate hinziehen würde, eine Beschwerdekarte und ließ den fiktiven Leser nicht im Unklaren, dass ich dieses Geschäft so lange meiden würde, bis es wieder begehbar sei. Danach hatte ich Oberwasser. Und als die Frau an der Information mich motiviert darauf hinwies, ich würde Post vom Geschäftsführer bekommen, fühlte ich mich absolut bestätigt.
Immer wenn ich in den folgenden Wochen bei Real einkaufte achtete ich peinlichst darauf, auf keinen Fall mit der EC-Karte zu zahlen- die Clubkarte verwende ich seit über einem Jahr nicht mehr, aus psychopathischen Gründen. Jedesmal überkam mich ein Gefühl der Niederlage und irgendwann begann es mir zu dämmern, warum der Geschäftsführer so außerordentlich schweigsam ist.

by C.G.

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